Der Schmalenbach-Preis 2009 wurde am 12. Oktober 2009 im Rahmen des 63. Deutschen Betriebswirtschafter-Tages Dr. Tobias Eichner in Anerkennung seiner hervorragenden wissenschaftlichen Arbeit 'Restructuring and Turnaround of Distressed Manufacturing Firms - An International Empirical Study' verliehen. Betreut wurde die Schrift von Professor Dr. Frank Richter an der Universität Ulm.

Theo Siegert, Tobias Eichner, Josef Ackermann, Alfred Wagenhofer
In seiner Dissertation untersucht Tobias Eichner die Wirksamkeit von Maßnahmen, die in Krisensituationen zu ergreifen sind. Es handelt sich um eine empirische Analyse, die Aufschluss darüber gibt, welche Restrukturierungsmaßnahmen in welcher Situation effizient sind.
Ausgangspunkt der Analyse ist eine Diskussion von Krisen, deren Ursachen, deren Entwicklung und deren Bewältigung. Daraus leitet Tobias Eichner die Identifizierung einer Krisensituation ab, die auf dem objektiv messbaren Kriterium basiert, ob das Unternehmen in der Lage ist, die zwingend fälligen liquiditätswirksamen Ansprüche zu erfüllen. Als Restrukturierungen untersucht er
- operative Restrukturierungen, z.B. Personalreduktion, Kürzung von Investitionen, Aufgabe von Produkten, aber etwa auch Produktinnovationen;
- Restrukturierung des Managements, insbesondere durch Ersatz von Entscheidungsträgern;
- Portfoliorestrukturierung, z.B. Verkauf von Vermögenswerten, Spin-offs, Carve-outs, aber auch Akquisitionen und strategische Allianzen, und
- finanzielle Restrukturierung, wie Dividendenkürzung, Rückzahlung oder Restrukturierung von Schulden.
Tobias Eichner leitet Hypothesen über die Wirksamkeit von Restrukturierungsmaßnahmen ab, die er dann empirisch prüft. Die Datenbasis lieferten deutsche, britische und US-amerikanische Unternehmen, wobei für die Datengewinnung mehrere Quellen herangezogen wurden, zum einen Worldscope und DataStream als große Datenbanken mit Finanzdaten und Börsenkursen; weiter aber auch Datenbanken mit Presseaussendungen, Eigentümerdaten, Akquisitionen und Desinvestitionen.
Gestützt auf diese reichhaltige Datenbasis kommt Tobias Eichner zu einer Vielzahl interessanter Ergebnisse: Betrachtet man etwa den Inhalt und den Prozess von Restrukturierungen insgesamt, so haben diese erhebliche Erklärungskraft für den Turnaround nach einer Krisensituation. Den größten Erfolg weisen operationale Restrukturierungen auf, weil sie natürlich die Krisenursachen direkt angehen. Sie werden gefolgt von der Managementrestrukturierung, der Portfoliorestrukturierung und der finanziellen Restrukturierung. Betrachtet man einzelne Restrukturierungsmaßnahmen, so zeigt sich, dass deren Wirkung stark vom Timing abhängt, wann sie gesetzt werden. So gibt es Maßnahmen, die möglicherweise sogar negativ zum Turnaround beitragen, wenn sie zu früh oder zu spät gesetzt werden. Sehr vereinfacht zeigen die Resultate tendenziell, dass Einsparungen und Kürzungen am ehesten sofort bei Eintritt der Krise wirken, während unternehmerische Maßnahmen zur Erholung bzw. Rettung bei späterem Einsatz erfolgversprechend sind. Einzelmaßnahmen wirken jedoch recht unterschiedlich, und dafür sind verschiedene situationsspezifische Faktoren maßgebend.
Zuletzt leitet Tobias Eichner aus den empirischen Ergebnissen praktische Ratschläge für das Handling von Krisensituationen durch Unternehmen ab. Damit gibt er der Praxis wichtige Entscheidungskriterien in die Hand, effektiv mit Krisensituationen umzugehen, in die sie hoffentlich nie kommen.
Im Urteil der Juroren - so Professor Dr. Dr. h.c. Alfred Wagenhofer in seiner Laudatio - verbindet die Arbeit von Tobias Eichner in vorbildlicher Weise Wissenschaftlichkeit mit der von Eugen Schmalenbach eingeforderten Dienstleistungsfunktion für die Praxis. Sie liefert einen wertvollen Beitrag zur Effektivität von Restrukturierungen und den Unternehmen Anregungen, wie sie diese am erfolgreichsten umsetzen.
Tobias Eichner studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der Universität Karlsruhe und erwarb einen MBA an der University of Georgia, USA, bevor er 2003 in die Unternehmensberatung zu Oliver Wyman in München ging. Im Jahr 2006 begann er berufsbegleitend sein Doktoratsstudium an der Universität Ulm und schloss es 2008 mit der nun prämierten Dissertation ab.
