Schmalenbach-Preis
Der Schmalenbach-Preis ist nach einem der bedeutendsten Betriebswirte Deutschlands, Professor Dr. Dr. h.c. mult. Eugen Schmalenbach, benannt. Sein Hauptanliegen war die Entwicklung einer 'anwendungsorientierten Betriebswirtschaftslehre', ein Ziel, das er in enger Verbindung von Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftspraxis zu erreichen suchte.
Dieser Tradition folgend hat sich die Schmalenbach-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft e.V. und dem Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V. zum Ziel gesetzt, mit der Ausschreibung des Schmalenbach-Preises die Auseinandersetzung mit betriebswirtschaftlichen Fragestellungen zu fördern und zugleich die Erinnerung an den Mitbegründer der modernen Betriebswirtschaftslehre in Deutschland lebendig zu halten.

Ausgezeichnet werden wissenschaftliche Arbeiten, die anwendungsbezogen bzw. empirisch fundiert sind und einen wissenschaftlichen Fortschritt der Betriebswirtschaftslehre im Dienste der Wirtschaftspraxis darstellen. Die Arbeiten sollen wie das Werk Eugen Schmalenbachs auf dem Gebiet der praxisorientierten Betriebswirtschaftslehre verwurzelt sein.
Preisverleihung 2012
Der Schmalenbach-Preis 2012 wurde am 26. September 2012 im Rahmen des 66. Deutschen Betriebswirtschafter-Tages Dr. Christine Kaufmann in Anerkennung ihrer hervorragenden wissenschaftlichen Arbeit „The Influence of Information Presentation, Psychological Mechanisms, and Personal Characteristics on Households' Financial Decision Making“ verliehen. Betreut wurde die Schrift von Professor Dr. Dr. h.c. Martin Weber an der Universität Mannheim.
In ihrer ausgezeichneten Dissertation untersucht Christine Kaufmann Anlageentscheidungen von privaten Haushalten an Finanzmärkten. Ausdrücklich geht es dabei nicht um das hektische Treiben der Finanzmärkte. Vielmehr hat Christine Kaufmann den langfristigen Horizont im Blick. Sie fragt, wie Personen ihr Vermögen auf Anlageklassen verteilen, wenn sie langfristig sparen möchten, zum Beispiel zum Aufbau einer privaten Altersversorgung.
Es handelt sich um eine kumulative Dissertation, die neben einem einführenden Kapitel, das die verbindende Klammer herstellt, aus vier einzelnen Beiträgen besteht. Wie bei kumulativen Dissertationen üblich, wurden die Beiträge zum Teil in Koautorenschaft verfasst. Beteiligt waren neben Prof. Dr. Dr. h.c. Martin Weber Emily Haisley, Yale School of Management, sowie Christian Ehm, Dipl.-Kfm., M.Sc. (HEC Montréal), Universität Mannheim. Einer der Beiträge wurde bereits zur Publikation im Internationalen Top-Journal „Management Science“ angenommen. Andere Beiträge befinden sich aussichtsreich im Begutachtungsprozess bei renommierten Fachzeitschriften.
Christine Kaufmann kommt in ihren Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass die langfristige Performance von Geldanlagen nicht in erster Linie davon abhängt, welche Einzeltitel im Portfolio gehalten werden, sondern wie die Mittel über verschiedene Anlageklassen gestreut sind. Diese so genannte Asset Allocation bestimmt maßgeblich das Renditepotenzial und auch das Risiko des Portfolios. Etwas zugespitzt lässt sich das Problem anhand von zwei Anlagen verdeutlichen: einem gut gestreuten Aktienportfolio und einem diversifizierten Anleihen-Fonds. Wie soll ein Anleger sein Vermögen auf die beiden Fonds aufteilen? Von welchen Faktoren hängt die Entscheidung ab? Stimmt die intuitive Aufteilung mit dem überein, was Fachleute theoriegestützt empfehlen? Wenn das nicht der Fall ist, wie kann man Privatpersonen und Anlageberatern helfen, gemeinsam zu besseren Entscheidungen zu kommen?
Ganz konkret untersucht die Studie auf Basis simulierter Anlageentscheidungen im Forschungslabor drei Hauptfaktoren für die Allokations-Entscheidung. Der erste ist die Art, wie das Rendite-Risiko-Profil der Anlagen und des gebildeten Portfolios präsentiert wird. Aus verschiedenen Bereichen der ökonomischen Forschung ist bekannt, dass die Art der Darstellung eines Problems großen Einfluss darauf hat, welche Lösungen gewählt werden. Man spricht in der Wissenschaft von einem Framing-Effekt. Ist die Art der Darstellung nicht gut an die Herangehensweise der Entscheider angepasst, treffen diese schlechtere Entscheidungen, selbst bei gleichem Informationsstand. Erstaunlicherweise ist dieser Effekt in der Asset Allocation noch wenig untersucht worden. Dies macht die Studie von Christine Kaufmann besonders wertvoll. Im Ergebnis können konkrete Hinweise gegeben werden, wie Rendite-Risiko-Informationen grafisch aufbereitet werden sollten (ein Beispiel findet sich unter http://www.behavioral-finance.de/11-0-Risikotool.html), damit die meisten Anleger sie korrekt interpretieren.
Der zweite Faktor ist das Ausmaß, in dem die Informationen zum Rendite-Risiko-Profil aggregiert werden. Christine Kaufmann belegt, dass hier manchmal das Motto „Weniger ist mehr“ gilt. Um nicht das Wesentliche durch viele Details zu verdecken, sollten die Informationen stärker aggregiert werden, als es oft geschieht. Die Anleger sind dann eher in der Lage, die Anlageentscheidung auf ihre tatsächliche Risikoneigung abzustimmen.
Schließlich ist der dritte Faktor das Risiko der Aktienanlage. Die Studie zeigt, dass viele Anleger nicht „rational“ mit Risikogrößen umgehen, sondern in vereinfachenden Kategorien denken. Dann gilt der eine Fonds einfach als „risikofrei“, der andere als „riskant“. Durch diese Kategorisierung bleibt die Wahrnehmung die gleiche, egal wie stark sich das Risiko der beiden Anlagen unterscheidet. Das aber kann zu fehlerhaften Anlageentscheidungen führen.
In gewisser Weise nimmt die Dissertation von Christine Kaufmann einen Schritt vorweg, von dem manche Fachleute sagen, dass er der Banken- und Finanzwelt bevorsteht. Es ist der Schritt „back to the basics“, weg von komplexen Konstruktionen auf der Jagd nach kurzfristigen Überrenditen, hin zu sorgfältig durchdachten strukturellen Lösungen und bestmöglicher Transparenz im Sinne der Anleger. Christine Kaufmann beweist, dass dies eine spannende Richtung ist, in der praktisch relevante und wissenschaftlich attraktive Fragestellungen zu finden und nützliche Erkenntnisse zu gewinnen sind. Damit verbindet die Arbeit aus Sicht der Jury zur Vergabe des Schmalenbach-Preises 2012 – so die Vorsitzende der Jury und zugleich Vorsitzende des Vorstands des Verbands der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V. Professorin Dr. Caren Sureth in ihrer Laudatio - in vorbildlicher Weise Wissenschaftlichkeit mit der von Eugen Schmalenbach eingeforderten Dienstleistungsfunktion für die Praxis.
Christine Kaufmann studierte nach einer Ausbildung bei der Deutsche Bank AG Business Administration an der Frankfurt School of Finance and Management. Im Jahr 2007 begann sie ihr Doktoratsstudium an der Universität Mannheim, das sie mit der nun prämierten Dissertation 2012 abschloss. Seitdem ist sie Habilitandin am Lehrstuhl für ABWL, Finanzwirtschaft, insb. Bankbetriebslehre der Universität Mannheim.
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