Selbstverständnis des Arbeitskreises

Der Arbeitskreis "Verrechnungspreise" widmet sich aktuellen Fragestellungen rund um das Thema Transfer- oder Verrechnungspreise sowohl aus steuerlicher Perspektive als auch aus Perspektive des Controllings. Aktuell behandelte Fragestellungen sind zum Beispiel:

• Wie können immaterielle Vermögenswerte bei der Verrechnungspreissetzung zutreffend bewertet werden?
• Welche Entscheidungswirkungen haben Verrechnungspreissetzungen für Unternehmensbewertung und Investitionstätigkeit?
• Welche internen Steuerungs- und Verteilungswirkungen entfalten Verrechnungspreise bei dezentralen Organisationsstrukturen im internationalen Wettbewerb?

Die Auseinandersetzung mit Verrechnungspreisen erlaubt ein idealtypisches Zusammenwirken von Theorie und Praxis. Aus wissenschaftlicher Perspektive kann auf einen Literaturbestand mit über 100-jähriger Tradition zurückgegriffen werden. Bereits in seiner unveröffentlichten Habilitationsschrift aus dem Jahre 1903 setzt sich Eugen Schmalenbach mit der Verrechnungspreisproblematik in arbeitsteiligen Unternehmen auseinander. Neben Schmalenbach hat Hirshleifer die Verrechnungspreisliteratur nachhaltig geprägt. Beide Autoren kommen unabhängig voneinander zum Dilemma der pretialen Lenkung. Verkürzt formuliert erfordert die Bestimmung des korrekten Verrechnungspreises die Lösung eines Problems unter Einbeziehung des Teilproblems, mit dem sich der eigentlich über Verrechnungspreise zu steuernde Bereich konfrontiert sieht. Das bedeutet: Sind die korrekten Verrechnungspreise ermittelt, besteht kein Steuerungsbedarf mehr. Mit dem Aufkommen der Neueren Institutionenökonomik (seit 1970er Jahren), die explizit Zielkonflikte und Informationsasymmetrien zwischen Zentrale und Teilbereich berücksichtigt, lassen sich Verrechnungspreise sinnvoll für Probleme der Entscheidungsfindung und der Verhaltenssteuerung theoretisch behandeln. Ihren jüngsten Aufmerksamkeitshöhepunkt erreichen Verrechnungspreise im internationalen steuerlichen Kontext. Das Arm’s-length-Prinzip, auf das sich z.B. die OECD-Richtlinien prominent stützen, verlangt, dass Verrechnungspreise, die international tätige Unternehmen zur Gewinnaufteilung zwischen verschiedenen Jurisdiktionen heranziehen, dem Fremdvergleichsgrundsatz genügen sollen. Hier ergibt sich ein Zirkelschluss, da die Existenz eines internen Marktes in vielen Fällen auf das Fehlen vergleichbarer Transaktionen an einem anonymen Markt hindeutet. Dies ergibt sich theoretisch aus der Transaktionskostentheorie nach Coase (1937) bzw. Williamson (1975). Darüber hinaus ist bereits aus dem Beitrag von Alchian/Demsetz (1972) bekannt, dass bei einer echten Teamproduktion keine natürlich gerechte Zurechnung der Erfolgsbeiträge möglich ist.

Die theoretische Unmöglichkeit korrekter Verrechnungspreise hält Steuergesetzgeber aber regelmäßig nicht davon ab, genau solche zu fordern. Damit sieht sich die Praxis mit dem Problem konfrontiert, sinnvolle Heuristiken zu entwickeln, die akzeptable Verrechnungspreise liefern. Die politische Unzufriedenheit mit steuerlichen Transferpreisen führt dazu, dass auf Ebene der Europäischen Union bereits seit mehr als einer Dekade, die Einführung einer gemeinsamen Bemessungsgrundlage (CCCTB) diskutiert wird, die das Steuersubstrat formelmäßig (FormulaApportionment) auf die Mitgliedstaaten aufteilen will. Vor diesem Hintergrund ist auch die Initiative der G20 und der OECD zur Bekämpfung von Gewinnverkürzung und Gewinnverlagerung (Base Erosion and Profit Shifting - BEPS) zu verstehen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das Thema Verrechnungspreise trotz oder gerade wegen seiner mehr als 100-jährigen Geschichte aus theoretischer und praktischer Sicht eine hohe betriebswirtschaftliche, steuerrechtliche und politische Relevanz besitzt. Der Arbeitskreis will fundiert zu dieser Diskussion beitragen.

Publikationen des Arbeitskreises

  • Zeitschriftenartikel

    AK Verrechnungspreise

    Data and Information as Taxable Assets

    European Taxation, 60. Jg. 2020, S. 490-498

  • Zeitschriftenartikel

    AK Verrechnungspreise

    Folgen der DEMPE-Konzeption für die steuerliche Erfolgsabgrenzung bei der Nutzung von immateriellen Werten

    Die Unternehmensbesteuerung, 9. Jg. 2020, S. 523-531

  • Zeitschriftenartikel

    AK Verrechnungspreise

    Why the Arm’s Length Principle Should Be Maintained

    International Transfer Pricing Journal, 27. Jg. 2020, Heft 6, S. 1-10

  • Zeitschriftenartikel

    AK Verrechnungspreise

    Country-by-Country Reporting Goes Public – Cui Bono?

    International Transfer Pricing Journal, 27. Jg. 2020, S. 91-97

  • Zeitschriftenartikel

    AK Verrechnungspreise

    Immaterielle Vermögenswerte - ausgewählte Fragestellungen aus Sicht der unternehmerischen Praxis und der Wissenschaft

    Die Unternehmensbesteuerung, 10. Jg. 2017, S. 537-542

Leitung

  • Prof. Dr. Dirk Simons

    Business Administration and Accounting

    Universität Mannheim

  • Michael Streibel

    Head of Transfer Pricing

    ABB Asea Brown Boveri Ltd

Mitglieder

  • StB Dr. Sven Bremer

    Siemens AG

  • Christian Danner

    Boehringer Ingelheim Corporate Center GmbH

  • Prof. Dr. Oliver Michael Dürr

    Hochschule Esslingen

  • Prof. Dr. Eva Eberhartinger

    Wirtschaftsuniversität Wien

  • Michael Freudenberg

    KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

  • Dr. Stefan Greil

    Bundesministerium der Finanzen

  • StB Dr. Markus Greinert

    Flick Gocke Schaumburg RAe WPer StBer Partnerschaft mbB

  • StB Jörg Hanken

    WTS Group AG

  • StB Jana Heß-Mähnert

    Evonik Industries AG

  • Ansgar Kreuzer

    BMW Group

  • Dr. Martin Lagarden

    Henkel AG & Co. KGaA

  • Marion Leherpeur

    PricewaterhouseCoopers GmbH WPG

  • Dr. Jan Thomas Martini

    Universität Bielefeld

  • Prof. Dr. Rainer Niemann

    Karl-Franzens-Universität Graz

  • StB Prof. Dr. Andreas Oestreicher

    Georg-August-Universität Göttingen

  • Prof. Dr. Michael Overesch

    Universität zu Köln

  • Nils Pippart

    Freudenberg SE

  • Prof. Dr. Dieter Pfaff

    Universität Zürich

  • RA Prof. Dr. Stephan Rasch

    PricewaterhouseCoopers GmbH WPG

  • Prof. Dr. Anna Rohlfing-Bastian

    Goethe-Universität Frankfurt am Main

  • Dr. Juliane Sassmann

    EY GmbH & Co. KG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

  • StB Erich Sattler

    Südzucker AG

  • Maite Schachtebeck

    Robert Bosch GmbH

  • Prof. Dr. Ulrich Schreiber

    Universität Mannheim

  • Prof. Dr. Anja Schwering

    Universität Hohenheim

  • Prof. Dr. Dirk Simons

    Universität Mannheim

  • Prof. Dr. Raoul Stocker

    Bär & Karrer AG

  • Julia Stoltenberg

    SAP SE

  • Michael Streibel

    ABB Asea Brown Boveri Ltd

  • Prof. Dr. Dr. h.c. Dr. h.c. Caren Sureth-Sloane

    Universität Paderborn

  • Prof. Dr. Johannes Voget

    Universität Mannheim

  • Anne Wenisch

    BASF SE

  • Prof. Jobst Wilmanns

    Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

  • StB Norman Wingen

    EBRD European Bank of Reconstruction and Development